Vision

Gemeinschaft Sonnenwald / Akademie für angewandtes gutes Leben

Kontext

Wir erkennen an, dass wir in Zeiten existentieller globaler Krisen und daraus resultierender Herausforderungen leben. Die meisten der grundlegenden Lebenssysteme unseres Planeten befinden sich am Beginn des Kollaps. Diese umfassenden Krisen stellen tiefgreifende Anfragen an uns alle und erfordern es, neue Wege zu finden. Mehr denn je brauchen wir dabei einander.
Der Suche nach diesem Neuen widmen wir uns daher als Gemeinschaft. In dem Nichtwissen und der Leere, vor die uns diese Reise stellt, wollen wir unser Gewordensein ebenso anerkennen wie unsere Potentiale. Dabei bekommt die Unterschiedlichkeit der am Ort lebenden Generationen einen besonderen Fokus.
Wir wollen uns leiten lassen von dem tiefen Wunsch, mit unserem Sein und Wirken unserer Liebe zum Leben Ausdruck zu verleihen. Diese Liebe zum Leben in uns und in unserem Umfeld wachsen zu lassen sowie weiter in die Welt zu tragen, ist Kernanliegen des Projekts.

Menschenbild und neue Kultur des Miteinanders

Unsere Kultur basiert darauf, dass wir Menschen als stets lernende, nach Entfaltung strebende und auf Kooperation und Miteinander angelegte Wesen betrachten. So versuchen wir, die Geschichte der Trennung nicht weiter zu schreiben und, im Zwischenraum zum noch unbekannten Neuen, die destruktiven sowie die lebensdienlichen Muster und Strategien zu beschreiben und zu unterscheiden.

Wir richten uns aus auf eine neue Kultur des Miteinanders, die auf Vertrauen, ehrlichem Umgang und der Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Themen basiert. Dabei verlassen wir stellenweise gewohnte Perspektiven und Selbstverständlichkeiten. Wir setzen uns zum Ziel, miteinander in Kontakt und Beziehung zu bleiben, sowie Inklusion zu leben. Der Dringlichkeit unserer Zeit versuchen wir immer wieder mit Verlangsamung, Stille und bewusstem Wahrnehmen zu begegnen, um daraus in ein verbundenes Handeln zu kommen.
Diese gemeinsame Kultur ist darauf ausgerichtet, uns in unserem Persönlichkeits- und Bewusstseinswachstum zu fördern und einen unterstützenden Raum für jede und jeden zu schaffen.

Dafür wollen wir Strukturen finden, welche die Bedürfnisse der Gruppen sowie Einzelner respektieren und zugleich Klarheit schaffen. Diese Strukturen sollen unserem Zusammenleben dienen und die Entwicklung einer potentialfördernden Kultur unterstützen. Beispielsweise treffen wir unsere Entscheidungen derzeit soziokratisch und nicht per Mehrheiten.

Neben der allem zugrunde liegenden Kultur, sieht unsere Gemeinschaft ihre Schwerpunkte in folgenden Bereichen:

Transformative Bildung

Neben unserem eigenen lebenslangen Lernen und Forschen, wie wir als Individuen und als Gemeinschaft möglichst lebensdienlich in diesen Zeiten sein und wirken können, ermöglichen wir an diesem Ort niederschwellig erreichbare Bildung. Dies geschieht mit dem Ziel, radikale Ansätze und Anschlussfähigkeit zu vereinen.
In vielfältigen, ganzheitlichen und erfahrungsbasierten Formaten wollen wir transformative Lernprozesse anstoßen und Kompetenzen fördern, den weltweiten Wandel aktiv und kooperativ mitzugestalten.

Regenerative Agrikultur

Mit Bezug zu den globalen Herausforderungen soll unser Praxisforschungsbetrieb für „Regenerative Agrikultur“ Klima- und Naturschutz mit ökonomischer Produktivität sowie mit solidarischer Verantwortung verbinden.
Mit dem Ziel, Lebendigkeit, Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität zu fördern, pflegen wir einen Hoforganismus, der sich an Naturkreisläufen orientiert und in sie eingebettet ist.

Heilungsort

Durch herzverbundenes Miteinander, ökologisches Handeln, Körperverwurzelung, gute Nahrung, gesunde Verbindung zur Arbeit, durch Meditationspraxis, Schönheit, Musik, Kunst und Praxen in einem holistischen Gesundheitszentrum wollen wir einen Ort gestalten, der Regeneration und Heilung ermöglicht.

Spiritualität

Wir sehen Spiritualität und Rituale als zum Menschen gehörig, sind dabei aber nicht auf eine spirituelle Richtung oder Religion festgelegt, sondern möchten exemplarisch für eine zukünftige Gesellschaft ein vertrauensvolles Neben- und Miteinander und den Dialog verschiedener religiöser und spiritueller Ausrichtungen fördern. Wir wollen dem je eigenen Ausdruck einer Ausrichtung auf etwas Größeres Raum geben.

Energie & Ressourcen

Zentral ist für uns, Energie möglichst sparsam und effizient zu nutzen. Wir entwickeln ein regeneratives Energiekonzept. Dabei wollen wir auch selbst Energie nachhaltig und ressourcenschonend gewinnen. Wir hinterfragen uns kritisch in Bezug auf unseren alltäglichen Ressourcenverbrauch, Strahlung und digitales Kommunikationsverhalten. Mit dem Aufbau einer Offenen Werkstatt tragen wir ebenfalls zu ressourcenschonendem Verhalten bei.

Ökonomie

Unser ökonomisches Verhalten basiert auf Nachhaltigkeit und Solidarität. Wir wirtschaften mit Blick auf interne und regionale Wirtschaftskreisläufe. Dabei sind wir Lernende im Spannungsfeld zwischen Mut zu alternativen Wirtschaftsformen und Sicherheit. Wir reflektieren unser persönliches Verhältnis zu Geld und nutzen unsere Gebäude und Flächen genossenschaftlich und gemeinwohlorientiert.

Vernetzung

Als Teil der Bewegung für eine neue gemeinschaftliche und nachhaltige Lebenskultur brauchen wir lokal, national und international die Vernetzung und Kooperation mit anderen Gruppierungen des Wandels.
Wir möchten gerne Teil des Gemeinwesens vor Ort sein und partnerschaftlich mit der Bevölkerung Schernbachs und den umliegenden Gemeinden in der Gestaltung von sozialen und ökologisch nachhaltigen Projekten zusammenarbeiten.

Ressourcen der Generationen

Wir wollen uns hier der Herausforderung widmen, den ganzen Lebensbogen von Kindern bis zu Ältesten, vom Lebensbeginn bis zum Tod aufzuspannen und zu beleben, uns darin mit Respekt und Wertschätzung mit all unserer Verschiedenheit begegnen und befruchten, und so unser Potenzial „vervielfachen“ und feiern.
Das alles geschieht im Bewusstsein der gesellschaftlichen und politischen Dimensionen.

„Gott hat nicht jedem alles gegeben, sondern jedem etwas, 
damit wir einander bedürfen.“ Albert Einstein

Schernbach, den 24.01.2021