Jahresrückblick Tierhaltung

Im Laufe des letzten Jahres startete unsere Tierhaltung mit Rindern und Hühnern. Durch die Tiere und die Menschen, die sich für sie interessieren und sie helfen zu versorgen, kehrte viel Leben am Hof Sonnenwald ein.

Im Mai 2020 kamen nach reichlicher Überlegung die ersten 17 Hinterwälder Rinder auf den Hof. Sie stammen von 5 verschiedenen kleinen Höfen und wurden hier als Herde zusammengebracht. Hinterwälder sind eine aus dem Südschwarzwald stammende, robuste und kleinrahmige Rasse, welche aufgrund des geringeren Gewichts sehr gut an feuchte Flächen und Hanglagen angepasst ist. Wegen der geringeren Milch- und Fleischleistung werden sie heute nur noch selten gehalten und gehören zu den gefährdeten Nutztierrassen.
Seitdem hat sich sehr vieles getan. Ein ganzer Sommer auf der Weide mit viel Zaunbau und den ersten Versuchen im holistischen Weidemanagement liegt hinter uns. Die ersten Kalbungen haben statt gefunden und somit auch das Melken im mobilen Weidemelkstand. Der Umzug zurück in den Stall brauchte viel Vorbereitung und die schwere Erkrankung unserer Kuh Elsa mit Einschläferung hat uns lange beschäftigt.

Der Herdenaufbau hat sich langsamer entwickelt als geplant. Bis auf eine Kuh bestand unsere Herde zu Beginn aus jüngeren weiblichen Rindern. Momentan haben wir sechs Kälber und fünf Milchkühe, von denen eine als Amme dient und deshalb nicht gemolken wird. Das bedeutet, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis die Herde in die volle Größe kommt und uns damit aber auch ein langsamerer Einstieg ermöglicht wird inmitten der ganzen Provisorien, in denen wir arbeiten.

Als Zweinutzungsrasse werden die Tiere bei uns gehalten sowohl für die Gewinnung von Milch als auch von Fleisch. Trotzdem wir das Ziel der Milchverarbeitung verfolgen, haben wir eine Mutter- bzw. Ammengebundene Kälberaufzucht. Das bedeutet, die Kälber werden nicht, wie sonst üblich, nach der Geburt von der Mutter getrennt und separat mit Milch aus Eimern aufgezogen. Wir versuchen stattdessen einen Kompromiss einzugehen und die Kälber nur zeitweise, zurzeit über Nacht, von den Kühen zu trennen, um so einen Teil der Milch melken zu können und trotzdem genug für das Kalb übrig zu lassen. Wenn die Kälber dann etwas älter sind, genügt es, sie nur noch während des Melkens zum Trinken zu ihren Müttern zu lassen. Mit dieser Strategie machen wir bisher sehr gute Erfahrungen, was sowohl Milchgewinnung als auch das Tierwohl betrifft. Alle Tiere werden bis zum Schlachtalter bei uns auf dem Hof behalten und dann am Hof geschlachtet. Somit werden keine Kälber verkauft und die Tiere nicht in langen Transporten in ungewisse/unvertretbare Verhältnisse gegeben. Geschlachtet werden sollen im Alter von ca. 2 Jahren die männlichen Tiere und die weiblichen, die nicht zur Nachzucht dienen.

Mittlerweile versorgen wir uns als Gemeinschaft mit ca. 10 l/Tag mit Frischmilch, Frischkäse, Joghurt und Quark selbst. Die leckeren Produkte werden in unserer gerade fertig gestellten internen Käserei von Lena produziert. Das Ergebnis begeistert uns alle sehr! Mit steigender Milchmenge wird die Produktpalette vielseitiger und wir werden immer unabhängiger von Zukäufen.

Im Sommer waren die Tiere Tag und Nacht auf der Weide, wo auch unsere ersten beiden Kälber zur Welt kamen. Dank eines mobilen Weidemelkstandes müssen die Kühe nicht in den Stall getrieben werden, sondern können vor Ort gemolken werden. Erst im Herbst, als immer weniger Gras auf den Weiden war, wurden die Tiere zunächst nachts in den Stall getrieben und sind nun seit November durchgehend im Stall. Wenn das Wetter es zulässt, dürfen sie auch im Winter immer wieder zum Auslauf nach draußen. Die Bäume werden sofort zum Schubbern genutzt und der Schnee reinigt die Klauen. Da der Stall ursprünglich nicht für Milchvieh ausgestattet war, war zu Beginn der Stallzeit, einiges an Umbauarbeiten zu tätigen. Wir haben erstmals den Melkstand in den Stall gefahren und Absperrungen dafür gebaut, um die Tiere entspannt hindurch zu schicken. Wir haben ein Abteil für die Kälber abgetrennt, welches zeitweise auch als Abkalbebox dienen kann und vieles mehr.

Nun sind wir relativ routiniert im Alltag. Es hat sich ein schönes kleines Team zusammen gefunden, das mit den Kühen arbeitet und die Tiere kommen immer mehr in ihrem neuen zu Hause an und wachsen als Herde weiter zusammen.

Im April 2020 haben wir mit den ersten Hühnern begonnen, die in einem Mobilstall auf wechselnden Standorten um den Hof herum leben. Dafür kauften wir 20 Hennen der Zweinutzungsrasse „Coffee and Cream“ aus ökologischer Tierzucht. Bei dieser Initiative wird sicher gestellt, dass alle Bruderhähne ebenfalls aufgezogen werden.
Als im Sommer einige Hennen anfingen zu glucken, begannen wir damit, Küken ausbrüten zu lassen. Im August schlüpften die ersten 10 Küken, im September nochmals 7. Neben den Eiern soll es auch immer wieder Fleisch der Hähne aus eigener Aufzucht geben.
Ganz können wir uns damit noch nicht selbst versorgen, aber 2021 wollen wir unsere Herde auch wieder mit eigener Nachzucht vergrößern und planen dann, auf keine Zukäufe mehr angewiesen zu sein.
Der Hof wurde von uns vor etwa eineinhalb Jahren übernommen und es ist noch sehr viel zu tun. Für 2021 stehen für den Bereich der Tierhaltung beispielsweise folgende Projekte an: Ein Fangfressgitter muss gebaut werden, sämtliche Tore am Stall werden repariert, ein Auslauf wird gebaut, das Dach den Kuhstalls wird vorläufig repariert, das neue Hühnermobil wird fertig gestellt.